Rant

Rant

Ein Rant ist eine wortreiche Schimpftirade (engl. to rant: schimpfen, sich ereifern, aber auch rant: Wortschwall, Hasstirade).

Wenn der DHL Paket-Mann keinmal klingelt

Heute live in Birkach: "Wenn der DHL Paket-Mann keinmal klingelt!" Paketabholscheine an allen bekannten Vorverkaufsstellen.
 
Sagt mal, DHL, ist das euer Ernst?
Leider haben wir Sie nicht persönlich angetroffen. Daher wurde Ihr Paket in einer Filiale hinterlegt.
Ich habe heute URLAUB genommen und sitze daheim und warte, bis es endlich klingelt! Hat es aber nicht.
 
Schlechter Service und einen auch noch anlügen. Ihr seid meine Helden!

ParkNow ... and forever - ein leidvoller Erfahrungsbericht

ParkNow ist ein Dienst zum bargeldlosen Parken und klingt in der Theorie ganz gut. Das fuktioniert wohl auch in vielen Städten, in jeder aber ein wenig anders. In Stuttgart kann man in einer handvoll Parkhäusern beim Einfahren eine Plastikkarte an der Schranke an einen Kartenleser halten, die Schranke geht auf. Beim Ausfahren hält man die Karte wieder an den Leser, man kann Ausfahren und die Parkgebühren (zzgl. 0,25 € Servicegebühren) werden vom Koto abgebucht. Damit entfällt das Warten am Kassenautomaten, das Suchen von Kleingeld bzw. das Wechselgeld vom Automaten in ein paar Zentnersäcken voll Münzen zurück zu bekommen. Zumindest theoretisch – doch dazu gleich. Denn auch wenn die zusätzlichen 25 Cent einen Schwaben schon kurz zögern lassen, wollte ich ParkNow nutzen, da es zufällig die Parkhäuser betrifft, in denen ich eh immer parke.

Das Problem mit der Parkkartenbestellung

Also habe ich mich auf der Webseite angemeldet, und dabei gleich angekreuzt, dass ich so eine Parkkarte zugeschickt bekommen möchte (für 2,69 € Bearbeitungsgebühren). Gleich nach der Anmeldung stand dann da, dass mir keine Karte zugeordnet ist, und keine in Bearbeitung ist. Gut, war ja frisch angemeldet, vielleicht braucht es ja ein paar Stunden, bis die Parkkartenbestellung in meinem Account sichtbar wird.

Als nach über zwei Wochen immernoch da stand, dass ich keine Parkkarte habe und auch keine in Bearbeitung sei, ging ich davon aus, dass die Bestellung gleichzeitig mit der Anmeldung nicht geklappt hat und habe über das System nochmal eine angefordert. Diese tauchte auch sofort als "Karte in Bearbeitung" auf.

In den nächsten Tagen bekam ich eine Mail, ob ich wirklich zwei Karten möchte, weil ich zwei angefordert hätte. Das fand ich sehr positiv, dass sie nachgefragt haben. So konnte ich erklären, dass ich nur eine brauche, und die kam dann auch in den nächsten Tagen.

Der erste Einsatz der Parkkarte

Dann war es endlich so weit: Der erste Einsatz der ParkNow Parkkarte vor fünf Tagen. Ich fuhr um 18.30 Uhr in Parkhaus A ein, hielt die Karte an den Kartenleser, Schranke ging auf, ich parkte, alles OK.

Um 22.30 Uhr (am selben Tag (muss man dazuschreiben)) wollte ich ausfahren, sage noch angeberisch zu einem Bekannten, der mit seinem Auto im selben Parkhaus geparkt hatte und zum Parkautomaten ging: "Ich muss nicht an den Automaten, bei mir wird das bequem abgebucht" und fahre zur Ausfahrschranke.

Natürlich geht die Schranke nicht auf. Natürlich steht der Bekannte kurze Zeit später hämisch grinsend mit dem Auto hinter mir. Natürlich antwortet niemand, wenn man den 24-Stunden-Service-Knopf drückt. Natürlich warten noch andere Autos hinter mir. Natürlich versuche ich unzählige Male auf verschiedeste Arten, den Kartenleser doch noch dazu zu bringen, die Karte zu akzeptieren. Natürlich muss ich vor der Schranke wegrangieren, damit ich die anderen vorbeilassen kann. Natürlich drücke ich noch ein paar mal den Service-Knopf und muss noch ein paar mal wegfahren, um andere Autos vorbei zu lassen.

Nach ca. 15 Minuten meldet sich dann jemand an der Sprechanlage, ich erzähle knapp meine Geschichte, er macht problemlos die Schranke auf und wünscht gute Heimfahrt.

Die Anomalie im Raum-Zeit-Kontinuum

Zuhause habe ich mich am selben Abend an meinen PC in meinen ParkNow-Account eingeloggt, da sehe ich, dass ich angeblich um 19.30 Uhr in das Parkhaus B eingefahren sei und mich dort auch noch befände. Dabei kann es sich nur um eine Parallelwelt handeln, oder um eine Faltung im Raum-Zeit-Kontinuum, denn in meiner Welt bin ich eine Stunde daneben (18.30 Uhr statt 19.30 Uhr) im Parkhaus daneben (Parkhaus A statt Parkhaus B) eingeparkt. Die Parkhäuser sind jedoch nicht verbunden und man kann von einem nicht ins andere fahren. Und vor allem bin ich wenige Stunden später wieder ausgefahren ...

Das Phantom-Dauerparken

Ich habe dann ebenfalls am selben Abend dem Kundendienst geschrieben, die ganze Geschichte erklärt, und vor allem auch klar gemacht, dass mein Auto mittlerweile bei mir zuhause steht, und nicht (mehr) in Parkhaus B, wie ParkNow denkt, obwohl ich eigentlich nie in Parkhaus B war, sondern ja eigentlich in Parkhaus A. Man wollte das nochmal überprüfen und sich dann nochmal melden.

Mittlerweile sind 5 Tage vergangen. Laut ParkNow parke ich immer noch in Parkhaus B, in das ich jedoch niemals eingefahren bin. Wenn ich mich einlogge, kann ich sehen, wie es die Tage, Stunden und Minuten hochzählt, die ich angeblich dort schon parke.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann zählen sie die Zeit noch heute ...

Fazit

Idee ist gut, aber sowohl beim Bestellen der Parkkarte, als auch beim Verwenden kommt es noch zu größeren Problemen und machen das System eigentlich unbenutzbar. Wenn das System noch um einiges robuster und reifer wird, könnte es evtl. interessant werden.

Idee
Ausgereiftheit
Kundenservice
Gesamturteil

+++ Update 01.07.2017 +++

... nun ist es eine Woche später, ParkNow denkt noch immer, dass ich im Haus der Geschichte parke (in dem ich aber seit mindestens 20 Jahren nicht geparkt habe). Aber immerhin habe ich vor 5 Tagen eine Mail bekommen, dass man mein Anliegen nicht vergessen habe und immer noch an der Lösung des Problems arbeite. Wäre es unverschämt, nachzufragen, ob sie schon abschätzen können, in welchem Jahr sie das Problem gelöst haben werden?

+++ Update 08.07.2017 +++

Von der schnellsten Truppe scheinen die dort nicht zu sein ...

Wahrscheinlich lässt sich dieses Paradoxon nur lösen, wenn ich tatsächlich einmal aus der Tiefgarage rausfahre, in die ich nie reingefahren bin. Diese Aufgabe ist schon etwas tricky.

Aber immerhin hat man mir mitgeteilt, dass die Entwickler noch versuchen zu verstehen, was nicht richtig funktioniert, und man sich umgehend bei mir meldet, wenn sie das Problem behoben haben. Und ich bin zuversichtlich, dass die das in den nächsten 3 bis 4 Jahren auf die Reihe kriegen. Aber als Diplom-Informatiker kann ich die Unwägbarkeiten vielleicht nicht vollumfänglich verstehen und die Komplexität des Problems (und vor allem seiner Lösung) nicht recht abschätzen ...

+++ Update 27.07.2017 +++

Ich hoffe ja nicht, dass ich bei ParkNow die Liste der ungeduldigsten Kunden anführe, wenn ich nach über 5 Wochen das Gefühl habe, die arbeiten nicht mit Hochdruck an meinem Problem. Beziehungsweise ist es eigentlich deren Problem. Sie denken ja, ich parkte in einem Parkhaus, in das ich nie eingefahren bin...

+++ Update 31.07.2017 +++

Nach über 39 Tagen (ich hatte schon gar nicht mehr damit gerechnet), erreichte mich nun heute Nachmittag eine Mail mit dem folgenden Inhalt:

Ich konnte meinen Augen kaum trauen, doch auch wenn ich mich in meinen Account einlogge steht da tatsächlich:

Ich dachte auch schon, dass es angemessen ist, dass Sie mir die Parkgebühren erlassen haben, weil ich ja mehrmals nachfragen musste und auch beim Ausfahren einige Unannehmlichkeiten hatte.

Doch sie blieben Ihrem Stil treu, und um mir ein Kundenerlebnis zu bieten, wie ich es gewohnt bin (s.o.), kam nach 7 Minuten nochmal eine Mail nach:

Nachdem ich tatsächlich ja nie in das Parkhaus reingefahren bin, war es nur logisch, dass ich (virtuell) zweimal rausfahren muss.

Naja, ich hake das mal als "Erfahrung" ab. Eigentlich finde ich den Service von der Idee her ja gut und praktisch. Mal sehen, ob ich mich traue, es noch einmal zu verwenden ...

Vorteilspack? Are you kidding me???

Da schlendert man so durch den Real in Filderstadt (eine wahre Fundgrube), nichts böses ahnend, und sucht neue Aufsätze für die elektrische Zahnbürste. Natürlich wird man auch fündig. Doch dann kommt die Qual der Wahl. Soll man die kleine Packung mit nur zwei Aufsätzen für 6,99€ kaufen, oder doch das gelb leuchtende Vorteilspack mit 5 Aufsätzen für 17,49€.

Vorteilspack, das ist was tolles. Da spart man bestimmt ganz schön was dabei, hat dafür dann aber mehr von den Dingern zuhause rumliegen. Man braucht ja nicht gleich 5 auf einmal. Und als Schwabe freut man sich sowieso über einen guten Deal. Wieviel spart man denn genau? Mal nachrechnen:

Der Zweierpack kostet 6,99€, also kostet eine ... eine hin, zwei im Sinn ... 6,99€ / 2 = 3,495€. Also eine kostet in dem Pack 3,50€ kaufmännisch aufgerundet.

Und das Fünferpack? 17,49 / 5 = 3,498€ kaufmännisch gerundet also 3,50€.

Der Vorteil ist dann im Vergleich zum Zweierpack ...

Also nicht nur, dass es kaufmännisch gerundet keinen Unterschied macht, ein Aufsatz ist sogar real gesehen 0,4 Cent im "Vorteilspack" teuerer. Das ist nicht die Welt und sicherlich gut zu verkraften, aber irgendwie verarscht fühlt man sich bei dieser Masche schon.

Gut, es ist ein Vorteil, dass ich nicht nach zwei verbrauchten Aufsätzen wieder neue kaufen muss, aber dann wären ja von allem mehr immer Vorteilspacks. Hier wird ein Preisvorteil suggeriert, wo keiner ist – und das hinterlässt irgendwie einen faden Nachgeschmack, der sich auch mit einer elektrischen Zahnbürste kaum wegputzen lässt.

In den Klauen der 08005054523 - A Lovestory Gone Bad

Liebes Vodafone,

wir müssen reden. Ich weiß, Du willst das auch, darum hast Du ja in den letzten zwei Monaten auch schon dutzende Male versucht mich anzurufen:

Heute hast Du mich nun endlich mal erreicht, und Du glaubst nicht, welche Erleichterung ich dabei empfinde. Ich habe jetzt nämlich die Hoffnung, dass Du mich mit Deinen Anrufen für so ca. ein Jahr verschonst.

Ich habe Dir zwar vor einem Jahr ganz ausdrücklich geschrieben, dass ich keine Werbeanrufe von Dir mehr möchte. Doch wie eine eifersüchtige ehemalige Geliebte hast Du mir in den letzten Wochen täglich mehrere Anrufe in Abwesenheit auf meinem Festnetztelefon hinterlassen. Es gab mir so eine Konstante in mein Leben: Ich kam abends von der Arbeit heim und wusste mit felsenfester Sicherheit, dass Du viele Male an mich gedacht hast und Dich nach meiner Stimme sehntest. Aber ich will das nicht mehr. Ich habe Dir das schon einmal in einem Brief geschrieben. Du musst das endlich auch kapieren, Liebchen.

Ich kann es ja verstehen, dass Du mir als treuem Kunden ein tolles Angebot unterbreiten willst, denn Du willst nur mein bestes: mein Geld. Aber wir hatten die ganze Chose doch schon vor einem Jahr versucht und haben beide damit keine so guten Erfahrungen gemacht. Und ich habe – zweimal dank Dir – gelernt, dass ich prinzipiell gar nichts am Telefon kaufen werde.

Außerdem bin ich auch kein treuer Kunde von Dir. Ich habe schon ein paar Mal versucht, von Dir wegzukommen, aber weil Dir so viel an mir liegt kaufst Du die Firmen, die ich in meiner Flucht vor Dir gewählt habe, auf, so dass ich mit dem Kundenstamm deiner Aquisition wieder heim in Deinen warmen Schoß zurückgezerrt werde. Und auch Deine eifersüchtigen Anrufe sollen doch nur sicherstellen, dass ich Dir mehr Unterhalt bezahle und mich wieder für zwei volle Jahre an Dich binde, aus Eifersucht, ich könnte zu einer anderen wechseln.

Ich bin auch kein zufriedener Kunde, warum das so ist, hatten wir ja schon vor einem Jahr erörtert. Und vor 10 Jahren. Und vor 15. Aber ich habe aufgegeben, vor Dir zu flüchten, weil Du mit Deinen knochigen Fingern immer wieder nach mir greifst und ich Dir ohnehin nicht entkommen kann.

Aber so viele Anrufe in wenigen Wochen? Ist das wirklich Dein Ernst? Wirklich??? Meinst Du nicht, dass das schon etwas irr wirkt? Beinahe an Telefonterror grenzt? Denkst Du, du kannst mich emotional so wieder zurückgewinnen? Hast Du Dir nie überlegt, dass das eher noch abstoßender wirkt?

Komm, lass es uns noch einmal so probieren, wie in den alten Tagen. Du lieferst mir Telefon und Internet, aber sonst will ich von Dir nichts hören oder sehen, dafür bekommst Du auch weiterhin zuverlässig wie immer monatlich das abgemachte Geld von mir. Aber bitte, stell Deine dumme Eifersucht endlich ein und lass mich mit Deinen Psychospielchen in Ruhe.

Eselsbrücken, die keine sind ...

Die Umstellung auf die Winterzeit steht am Wochenende an. Doch stellt man die Uhr nun vor oder zurück?. Im Frühstücksfernsehen wurde daher heute folgende Eselsbrücke vorzutragen:

Im Sommer stellt man die Stühle raus, also stellt man die Uhr eine Stunde vor.
Im Winter holt man die Stühle wieder rein, also stellt man die Uhr eine Stunde zurück.

So ein Quatsch, was soll einem soetwas helfen? Das zeigt nur, dass die Moderatorin die Eselsbrücke selber gar nicht verstanden hat, und einfach nur (falsch) wiedergibt.

Es heißt natürlich:

Im Frühling stellt man die Gartenstühle vor das Haus, also Uhr vorstellen.
Im Herbst stellt man die Gartenstühle wieder zurück in den Keller, als Uhr zurückstellen.

Denn nur so ist die Eselsbrücke überhaupt sinnvoll.

Das ist natürlich kein großer Aufreger, ist aber so symptomatisch für unser Fernsehprogramm: Es wird viel von Leuten gemacht, die keine Ahnung haben von dem, was sie tun.

Internetwerbung wird immer aggressiver – ich auch

Ich bin im World Wide Web fast seit dessen Erfindung unterwegs. Ich war schon von zuhause regelmäßig im Internet als viele noch gar nicht wussten, was ein "Homecomputer" ist (so nannte man das damals). Ich habe viele Entwicklungen und Veränderungen erlebt – und die meisten der Veränderungen waren Verbesserungen.

Ich kann auch verstehen, dass eine Webseite Kosten verursacht und guter Inhalt durch eine Finanzierung mit Werbung ermöglicht werden kann. Ich habe auch selber schon verschiedene High-Traffic-Seiten betrieben, die auf Werbung angewiesen waren. Alles kein Problem.

Manche Firmen haben auch gute Werbung, die einem sogar noch gefällt und die man gerne sieht, wenn sie dezent in eine Homepage integriert ist.

Aber es gibt eine Entwicklung, die ich seit so ca. 2 Jahren beobachte, die mir überhaupt nicht gefällt: aufdringliche, schrille, quitschende Werbung, die nur nervt. Und es wird immer schlimmer. Seiten spielen Werbevideos mit Sound ab, die nicht gestoppt werden können. Banner verdecken den eigentlichen Inhalt und müssen umständlich weggeklickt werden. Fenster poppen auf. Das wirkt schmuddelig, billig und eklig.

Auf dem Screenshot oben eine (eigentlich) seriöse Seite über deutsche Rechtschreibung. Auf der Startseite sieht man erst mal vor lauter Werbung nicht einmal mehr einen Satz vom eigentlichen Content. Eine Seite, die sich so präsentiert, kann ich doch nicht ernst nehmen. Haben die Betreiber jeglichen ästhetischen Anspruch aufgegeben? Ich würde mich in Grund und Boden schämen, wenn ich Betreiber einer solchen Seite wäre. Ich könnte mich ja selber nicht mehr respektieren.

Wann wurden wir Menschen denn zu solchen Armleuchtern, die nur noch auf Kommerz und Gewinn aus sind? Früher hat man Werbung eingebaut, um eine tolle Seite ermöglichen zu können. Heute werden viele Seiten nur noch gemacht, damit man Werbung einbauen kann.

Und was denken sich die Marketingverantwortlichen bei den Firmen? "Ich nerve mit meiner nächsten Kampagne mal die ganzen Internetbenutzer, die werden dann sicher ganz scharf darauf, mein Produkt zu kaufen." Das ist doch absurd. Jedes so beworbene Produkt wird von mir absichtlich boykottiert. Und jede Seite, die meint, dass sie mich erst einmal mit 100 Bannern und Werbevideos vollpflastern muss, hat mich als Benutzer gesehen.

Früher sahen alle Suchmaschinen so schmuddelig und überladen mit Werbung aus. Und das Erfolgsrezept von Google war in dessen Anfangszeit eben die große Schlichtheit der Startseite. Und damit haben sie alle anderen damals etablierten Suchmaschinen platt gemacht – das Konzept kann also nicht so falsch gewesen sein.

Bild: Screenshot einer Landing-Page einer Seite über deutsche Rechtschreibung

RTL senkt Niveau auf neuen Rekordwert: "Was wäre wenn?"

Es ist wirklich kaum zu glauben, dass RTL sein bisheriges Niveau noch unterbieten kann. Dass dies jedoch geht, beweist der Sender derzeit donnerstags mit seiner neuen "Comedy"-Show "Was wäre wenn?".

Dass es verschiedene Arten von Humor gibt will ich nicht bestreiten. Dass "Was wäre wenn?" nicht meinen Humor trifft ist ziemlich sicher. Dass es den Humor von igendjemandem trifft, ist fraglich. Beziehungsweise es ist eher beängstigend, dass es jemand derart primitives geben könnte, der darüber lachen könnte.

Es ist eine Aneinanderreihung von unlustigen Plumpheiten, von (gewollt aber nicht gekonntem) Amüsement auf Kosten anderer. Es ist ein Symbol für eine ganz eklige, emphatielose Art von Entertainment, die auf guten Geschmack und Niveau nicht den geringsten Wert legt. Es ist erschreckend, dass so etwas über die Bildschirme kommt: langweilig, plump, gekünstelt.

Potential wäre dabei eigentlich vorhanden, die Moderatoren haben zumindest an anderer Stelle schon gezeigt, dass sie es besser könnten.

Humor
Spontaneität
Gesamt

Offener Leserbrief an die Stuttgarter Zeitung

Das absolut fabelhafte Frl. Wommy Wonder feierte vor wenigen Tagen die Premiere ihrer aktuellen Show "Wonder-Bar 3D ... jetzt auch mit Anfassen". Es ist ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum. Das Publikum tobte und war an diesem Abend allerbestens unterhalten. Bis auf einen - der verstand weder das Konzept des Abends, noch die Witze. Wahrscheinlich war das Niveau für ihn zu hoch. Dumm nur, dass der einzige, der es nicht verstand, der Schreiberling der Stuttgarter Zeitung war. So kam es, dass die Stuttgarter Nachrichten, deren Gesandter die Show verstand, den Premierenabend sehr lobte und damit die Stimmung im Publikum korrekt wiedergab. Immerhin gab das Publikum am Ende über 12 Minuten stehenden Applaus. Die Stuttgarter Zeitung hingegen einen lieblosen, abwertenden, tendenziösen Verriss dahinrotzte, der weder die konkreten Fakten korrekt wiedergab, noch die Stimmung und Eindrücke des Abends richtig beschrieb. Wenn 199 Leute lachen und Spaß haben, aber einer nicht, wo muss man dann den Fehler suchen? Auf der Bühne sicher nicht. Das wäre ja so, wie wenn ein Geisterfahrer auf der Autobahn die Verkehrsregeln in Frage stellte, da ihm so viele entgegen kommen.

Da die Stuttgarter Zeitung meinen Leserbrief über ihre Homepage bisher nicht veröffentlich hat, möchte ich ihn hier als offenen Leserbrief veröffentlichen.

Ihr Schreiberling Frank A. umschreibt sehr umständlich, dass er an dem Abend eigentlich überhaupt nichts verstanden hat. Es ist keine Schande, ein Programm nicht zu verstehen. Es ist kein Beinbruch, eine Vorstellung nicht zu mögen. Aber es ist ziemlich dämlich, jemanden einen Artikel über etwas schreiben zu lassen, das er ganz offensichtlich nicht im geringsten verstanden hat, und dadurch den Künstlern zu schaden. Und auch so etwas abzudrucken ist eigentlich ein Kunstfehler.
Frl. Wommy Wonder plumpe Zoten zu unterstellen ist in etwa so wie Ghandi einen Kriegstreiber zu nennen.
Ich sehe seit fast 20 Jahren jedes Programm von Frl. Wommy Wonder mehrmals, und ich war schon bei vielen ihrer Premieren dabei - gerade weil ich ihren feinsinnigen und sehr intelligenten Humor sehr schätze.
Michael Panzer beweist immer wieder, dass er ein Meister der Wortspiele ist, der sehr schlagfertig, pointiert und geistreich auch spontan auf jede Situation reagieren kann. Aber um das zu verstehen, hätte Ihr Autor wohl erst einmal auf dem selben Niveau sein müssen.
Und ja, er hat vielleicht richtig erkannt, dass Wommy rein stimmlich einer Maria Callas unterlegen ist - aber hätte er mal auf den Text geachtet, hätte er sicher erkannt, dass hier die Juwelen zu finden sind - und ganz davon abgesehen finde ich den Gesang sowohl von Frl. Wommy Wonder, als auch von Pianist Tobias Becker vollkommen in Ordnung und zum Konzept der Show passend. Das konnte A. aber nicht bemerken, da er das Konzept ja nicht verstand.
Auch Schwester Bärbel darf mehr als nur "herumschlurfen und Grimassen schneiden", sie hat sogar eine sehr beeindruckende Solonummer, die A. komplett entgangen sein musste.
Wommy bietet ein sehr ausgefeiltes Programm, sicher auch mit ein paar sexuellen Witzen, aber auch mit viel Tiefgang, Emotionen und Nachdenklichem. Ehrlich gesagt finde ich das Programm der drei Künstler äußerst sehenswert und eine absolute Empfehlung für Menschen mit geistigem Tiefgang und Sinn für gute Unterhaltung. Stuttgart kann Stolz sein, Wommy, Bärbel und Tobias Becker bieten zu können.
A. muss in einem anderen Programm gewesen sein - oder hat, wie schon erwähnt, rein gar nichts kapiert. Das dafür aber sehr gründlich.

Hitzlsperger, Sotschi und die "Ideologie unter dem Regenbogen"

Die Nachrichten sind in diesen Tagen voll davon: homosexuelle Themen. Der Profifußballer Hitzlsperger hat sich geoutet. Eine Sensation! Zwei Tage lang bestand mein Facebook-Newsfeed ausschließlich aus Meldungen zu Hitzlspergers Coming-out und seinem Mut dazu. Es war sogar die zweite Meldung in der Tagesschau. Erschreckend, denn eigentlich sollte es etwas ganz normales sein, wenn jemand schwul oder lesbisch ist – gerade eben keine Sensation. Und einfach sich selbst zu sein, so wie man wirklich ist, sollte doch nun wirklich keinen Mut erfordern!

Dennoch bin ich Hitzlsperger außerordentlich dankbar für diesen Schritt, und ich erkenne seinen großen Mut an, als erster Profifußballer damit an die Öffentlichkeit zu gehen – wenn auch erst nach seiner aktiven Karriere. Vielleicht werden andere seinem Schritt folgen, denn zumindest rein statistisch gesehen befinden sich mindestens zwei Schwule in jeder Mannschaft. Doch wird es auch für die nächsten nicht leicht sein – vor allem, wenn sie noch aktiv spielen. Einmal am Tor vorbeigeschossen wären aus der Fankurve wahrscheinlich wüste homophobe Beschimpfungen zu erwarten.

Die breite Unterstützung, die Hitzlsperger von allen Seiten bekommt, ist begrüßenswert, wenn auch scheinheilig: Wieso stimmte die Bundesregierung (zumindest die alte unter Union/FDP) gegen fast alle Gesetze, die etwas Gleichberechtigung gebracht hätten? Wieso will die Bundesregierung (also die neue unter Union/SPD) die Ungleichberechtigung nicht beenden? Aber bleiben wir beim Sport: Wieso vergibt man die Fußballweltmeisterschaft 2022 nach Qatar, und damit in ein Land, in dem Homosexualität unter Strafe steht? Wieso vergibt man die olympischen Winterspiele nach Sotschi, wo jegliches "Zurschaustellen" von Homosexualität, also etwa Händchenhalten, verboten ist? Hätte man mit der Vergabe der Winterspiele und der Fußball-WM nicht auch ein Zeichen setzen können? So lange hier noch mit zweierlei Maß gemessen wird, sind alle guten Reden der Funktionäre und Politiker reine Heuchelei.

Das große Unbekannte

Doch woher kommt diese Angst vor Homosexualität? Sie kommt – wie jede Angst vor etwas unbekanntem (Ausländerfeindlichket, Islamfeindlichkeit, Judenfeindlichkeit, ...) – eben daher, dass man dieses Fremde nicht kennt. Und Unbekanntes macht vielen Angst. Was läge darum näher, als das Unbekannte bekannt zu machen? Ja, Aufklärung und Information kann zeigen, dass das Fremde nichts schlimmes ist.

Wie bei all diesen Themen kann die Information hier nur so früh wie möglich beginnen. Wenn schon in der Schule gezeigt wird, dass Homosexualität etwas völlig normales ist, wird hoffentlich "Schwuchtel"/"schwul" als eines der häufigsten Schimpfwörter auf dem Schulhof verschwinden. Und es wird keinen Mut mehr erfordern, einfach nur sich selbst zu sein.

Homosexualität in die Lehrpläne

In Baden-Württemberg gibt es nun die Bestrebungen, Homosexualität in den Lehrplan mit aufzunehmen – und zwar ausführlicher, als nur das rein Technische im Biologieunterricht. Doch schon laufen die Reaktionären Sturm. Mit dem säen diffuser Ängste, die "Homolobby wolle ihre Kinder homosexualisieren", werden Unterschriften gegen die dringend notwendige und sinnvolle Änderung gesammelt. Doch diese Ängste sind natürlich vollkommener Schwachsinn. Jeder, der kurz einmal darüber nachdenkt, wird das auch selbst erkennen.

Es ist weder möglich, jemanden homosexuell zu machen, noch, ihn heterosexuell zu machen. Ich habe schon oft gehört von welchen, die angeblich homosexuell wurden. Doch war es vielleicht nicht eher so, dass sie ihr ganzes Leben schon homosexuell waren, aber nur eine heterosexuelle Rolle spielten, eben weil das Umfeld es so einfordert?
Oder Homosexuelle, die wieder hetero wurden – Halleluja, preiset den Herrn! Aber sind sie vielleicht immer noch homosexuell, trauen sich nur nicht mehr, dies auszuleben. Oder sie wollen eben nicht mehr die Exoten sein, die ständig Mut brauchen, einfach nur sie selbst zu sein, und spielen notgedrungen eine heterosexuelle Rolle, um dem Druck der Gesellschaft zu entgehen?!

Woher kommen diese Ängste, man könne jemanden schwul machen? Ist die heterosexuelle Liebe ein so fragiles und unattraktives Konstrukt, dass zu befürchten ist, dass jeder sich dieser Sache abwendet, sobald er eine bessere Alternative findet? Wie Eltern, die ihrem Kind täglich nur Spinat geben und Angst haben, das Kind könnte Pizza, Schokolade oder Gummibärchen mögen, sobald es von deren Existenz Kenntnis erlangt? Wohl kaum, doch mit eben jener irrationalen Angst werten eigentlich die Gegner homosexueller Liebe ihre eigene Heterosexualität als unattraktiv ab.

Die Welt wird nicht untergehen, wenn in einer Matheaufgabe einmal "Manuela und Petra" zwei Pfund Äpfel für 2.50 Euro kaufen werden. Und wenn im Englischunterricht mal eine Geschichte vorkommt, in der "George and Peter" eine gemeinsame Wohnung suchen, wird kein Flammenmeer vom Himmel fallen. Aber es könnte helfen, dass Homosexualität etwas normales wird. Und dass Jugendliche sich nicht viele Jahre anders, nicht zugehörig oder ausgeschlossen fühlen, und mit der Angst leben müssen, was alles schreckliche passieren könnte, wenn jemand erfährt, dass sie jemanden des selben Geschlechts attraktiv finden.

Aber es macht kein heterosexuelles Kind homosexuell. Punkt. Es hilft allenfalls homosexuellen Kindern, leichter mit ihrer Situation umzugehen. Und wer sollte ernsthaft wollen, dass Kinder es schwer haben? Eine vier mal höhere Suizidrate unter homosexuellen Jugendlichen zeigt, dass es eben nicht einfach ist, einfach nur schwul zu sein, in einem Klima, in dem "Schwuchtel" ein häufiges Schimpfwort ist, und Homosexualität in der Schule am liebsten unter den Tisch gekehrt werden soll. Und es zeigt auch, dass es Handlungsbedarf gibt.

Sexualität: Hetero (default)

Doch es muss eigentlich noch viel weiter gehen. Eine Rechenaufgabe mit Homo-Paar greift nicht weit genug. So lange es immer wieder Überwindung kostet, sich selbst zu sein, gibt es noch Handlungsbedarf. "Jungs spielen mit Autos", "Männer weinen nicht", "Mädchen spielen mit Puppen", "Hast Du schon eine Freundin?" oder dann später: "Bringen Sie doch ihre Freundin zu dem Geschäftsessen mit" ...

Schon im Sandkasten wird einem von allen Seiten vermittelt, "wie man zu sein hat". Man wird geprägt von den Erwartungen, die an einen gestellt werden, und natürlich erst recht, dass man heterosexuell zu sein hat. So lacht es die glückliche Familie von der Margarinewerbung, so lernt man es im Kindergarten, so sieht man es im Kinderfernsehen, so zeigen es die Schulbücher ... Und so lange braucht es auch noch Mut, eben nicht diesen Erwartungen zu entsprechen. Etwa 10% bis 20% der Menschen haben homosexuelle Empfindungen. Laut Kinsey sogar bis zu 50%. Wäre es daher nicht logisch, wenn dann auch ein paar Prozent der glücklichen Familien in der Werbung homosexuell wären? Wenn der Schwule im Film nicht nur die extrovertierte (will meinen "exotische") Tunte ist, sondern einfach mal ein ganz normales Paar? Und wenn ein paar Prozent der Paare in Matheaufgaben gleichgeschlechtlich sind? Es würde ja nur die Gesellschaft wiederspiegeln, in der die Kinder aufwachsen. Nur halt als etwas normales, und nicht als etwas, für das man sich am liebsten schämen sollte.

Es soll ja auch keinesfalls die Heterosexualität abgeschafft werden, wie dumme konservative Kräfte behaupten, um Ängste und Abneigung zu schüren. Es geht ja gerade nicht darum, nur das eine oder nur das andere toll zu finden. Es geht darum, Andersartigkeit anzuerkennen, nicht zu fürchten und sich gegenseitig zu akzeptieren und sich mit Respekt zu begegnen.

Es wirkt immer ein wenig wie ein Kampf zwischen "denen" und "uns". "Wir" gegen "Die". Von beiden Seiten aus gesehen. Aber darum geht es nicht. Es geht darum, allen die gleichen Rechte zuzugestehen. Es geht darum, zusammen sich gegenseitig Respekt zu zeigen. Und solange es noch Menschen gibt, die nicht verstanden haben, dass alle Menschen gleiche Rechte haben und dass Andersartigkeit keine Bedrohung ist, muss weiter aufgeklärt werden. Die aktuellen Diskussionen und Entwicklungen zeigen, dass man damit besser früher als später noch einen Gang zulegt ...

Grafik basiert auf Foto von Christian Neßlinger / pixelio.de


Wer eine Aufklärung schon in der Schule für sinnvoll hält, darf sich gerne an der Gegenpetition zu: Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens beteiligen.

Wieso Kafka an Vodafone seine hellste Freude hätte

Franz Kafkas Werke vermitteln häufig ein Gefühl des Ausgeliefertseins an anonyme und bürokratische Mächte, der Absurdität, der Ausweg- und Sinnlosigkeit. Wie in einem Albtraum bewegen sich Kafkas Protagonisten durch ein Labyrinth undurchsichtiger Verhältnisse und sind anonymen Mächten ausgeliefert.1 Doch auch wenn Kafka schon seit 90 Jahren verstorben ist, scheint der Geist seiner Werke in der Kundenbetreuung bei Vodafone weiterzuleben und neue Blüten zu treiben.

Prolog

Ich wurde Anfang 1998 Mobilfunk-Kunde bei D2-Mannesmann, und war mit Leistung und Service sehr zufrieden. Doch Vodafone schnappte nach mir, indem es einige Zeit später D2-Mannesmann aufkaufte und mich als Kunden übernahm. Und damit begann dann auch der Tragödie erster Teil.

So um 2000 wollte ich telefonisch einen Handy-Vertrag wenige Tage vor Ende der Kündigungsfrist kündigen. Am Telefon sagte man mir, dass das nur schriftlich gehe, und dass das Datum des Poststempels zähle und ja auch noch ein paar Tage Zeit wäre, dann ginge alles in Ordnung. Also kündigte ich auch per Brief und brachte den Brief direkt auf die Post, so dass er noch am selben Tag (und damit auch noch locker innerhalb der Kündigungsfrist) abgestempelt wurde.

Als dann aber trotzdem noch Rechnungen für diesen Vertrag kamen, rief ich nochmal an. Anscheinend sei mein Brief nie angekommen. Doch die Dame am Telefon sagte mir, dass ich ja auch hätte anrufen können, um zu kündigen. Das wäre sogar noch ein- bis zwei Tage nach der Frist angenommen worden, aber jetzt seien es schon 8 Tage, da könne sie nichts mehr machen.

So bezahlte ich ein Jahr für einen Handy-Vertrag, den ich gar nicht mehr nutzte. Fühlte mich bei der Sache aber etwas verarscht.

Exposition

Im Mai 2004 hatte sich mein Handy-Vertrag verlängert, und ich hatte Anspruch auf ein neues subventioniertes Handy. Ich überlegte gleichzeitig, in einen anderen Tarif zu wechseln (ich nenne ihn mal Tarif B), und rief die Kundenbetreuung an, nur um zu fragen, ob ich den Anspruch auf das Handy auch hätte, wenn ich in den Tarif B wechsle. Der Herr am Telefon bestätigte, dass ich das könne, aber für den Tarifwechsel dann 25 Euro Bearbeitungsgebühren bezahlen müsste. Ich sagte ihm, dass ich gleich im Anschluß in den Vodafone-Shop gehe und dort dann ein neues Handy kaufen und den Vertragswechsel vornehmen werde.

Im Handyladen angekommen bot mir der Verkäufer einen anderen Tarif ("Tarif C") in einer Testaktion an. Der Tarifwechsel sei hier kostenlos, und ich könne innerhalb von 2 Monaten auch kostenlos wieder zurückwechseln. Da dies gut klang, wollte ich das neue Handy mit eben diesem Tarif C aus der Testaktion. Doch der Verkäufer überraschte mich damit, dass mein Tarif am selben Tag schon auf Tarif B umgestellt worden sei.

Ich sagte, dass ich nie den Auftrag dazu gegeben hatte, sondern nur gefragt hatte, und auch mehrere Anrufe des Verkäufers bei irgendwelchen Vorgesetzten konnten diese Umstellung auf Tarif B nicht rückgängig machen. Trotzdem nahm ich den Tarif C der Testaktion, bezahlte aber die 25 Euro für die Umstellung auf Tarif B, obwohl dieser gerade mal 1 Stunde aktiv war. Und nur fürs Protokoll: 25 Euro für die Katz' waren für mich als armen Studenten viel Geld, und da war auch wieder das Gefühl, von Vodafone verarscht worden zu sein.

Fuge

Da Tarif C doch teuerer war als Tarif B, und man ja durch die Testaktion innerhalb von 2 Monaten wieder kostenlos zurückwechseln könne, schrieb ich innerhalb der Frist noch an die Kundenbetreuung, dass ich nach Ablauf der zwei Monate doch wieder in den preiswerteren Tarif B zurückwechseln möchte.

Natürlich "kam mein Brief nie an", ich musste im teuereren Tarif C bleiben. Da war es dann wieder, dieses Gefühl von Vodafone verarscht worden zu sein. Und gleichzeitig die Frage, wieso meine Briefe angeblich nie ankommen, und wieso die Mitarbeiter am Telefon eigentlich gar nichts für einen ausrichten können, oder dies zumindest vorgeben.

Meinen Festnetzanschluß hatte ich in der Zeit bei Arcor, mit denen ich rundum sehr zufrieden war, und als Arcor mir auch ein sehr gutes Angebot für einen Mobilfunk-Tarif machte, kündigte ich froh und erleichtert bei Vodafone, und ließ mich auch durch die mehrfachen Anrufe mit Lockangeboten, um doch bei Vodafone zu bleiben, nicht mehr einwickeln. Ich wollte nach den schlechten Erfahrungen nur weg ...

Doch die paradiesischen Zustände bei Arcor nahmen ein jähes Ende: Vodafone kaufte schließlich auch Arcor, und somit gliederte mich Vodafone wieder in ihren Kundenbestand ein.

Retardation

Das ging dann eine Zeit zu meiner eigenen Überraschung ganz gut – was vielleicht auch daran lag, dass ich einfach in dem alten Arcor-Tarif blieb und es nichts zu regeln gab. Bis der Tragödie dritter Teil am Morgen des Freitag, den 13. Dezember 2013, durch einen Werbeanruf von Vodafon seinen Anfang nahm. "Freitag der 13." sagt in dem Fall eigentlich schon alles.

Mir, als "ganz treuem und langjährigem Kunden" wolle man ein schnelleres DSL verkaufen, und dazu Fernsehen über's Internet mit Festplattenrekorder und allem Pipapo. Und nur wenn ich gleich zusage und jetzt bestelle, sei das alles auch noch preiswerter, weil ich so ein treuer Kunde bin. Ich bat um eine Nacht Bedenkzeit, doch das sei nicht möglich, das Angebot gelte nur jetzt, aber ich könne ja innerhalb von 14 Tagen problemlos widerrufen, falls ich es doch nicht wolle.

Entgegen meinem eigentlich eisernen Grundsatz, am Telefon keine Geschäfte zu machen, ließ ich mich überrumpeln und stimmte zu.

Doch schon gleich nach dem Anruf wurde mir klar, dass ich das alles eigentlich gar nicht will, und regelrecht überrumpelt wurde. "Aber alles kein Problem", dachte ich, "schließlich habe ich bei Telefongeschäften ein gesetzlich verankertes Widerrufsrecht". So loggte ich mich in meinen Kunden-Account ein, fand im Menü den Punkt "Ich bin mit einem durchgeführten Tarifwechsel nicht einverstanden" und verfasste dort meinen Widerruf. (Der Status dieser Kontaktanfrage ist auch am heutigen Tag, fast 4 Wochen später, noch auf "in Bearbeitung")

3 Tage später hatte ich 2 Mails im Postfach, die mir die Umstellung bestätigten, nochmal mit der Widerufsbelehrung, und dass der Widerruf per Mail, Fax oder Brief zu erfolgen habe. "Sicher ist sicher", dachte ich, und wiederrief nochmal ausführlich und in aller Form per Fax an die in der Widerrufsbelehrung genannte Nummer, falls das Formular im Online-Kundencenter nicht formell genug war, und bat im Fax um eine Bestätigung des Widerrufs.

Am Nachmittag des selben Tages hat mir Vodafone dann erst mal das DSL ganz abgedreht. Ein Anruf beim Kundendienst versicherte mir aber, dass das nichts mit dem Widerruf zu tun hätte und eine Störung sein müsse, doch gleichzeitig versuchte der Herr am anderen Ende, mich doch nochmal von dem Wechsel zu überzeugen (bzw. davon, meinen Widerruf zu annulieren), was ich dieses Mal aber strikt ablehnte. Hilfe für mein DSL-Problem konnte man mir aber auch nicht bieten. Ich solle das Modem mal aus und wieder einschalten war alles, was ich auf meine Störungsmeldung erhielt. Dass ich das jedoch schon mehrmals gemacht hatte beeindruckte ihn nicht.

Zwei Tage später hatte ich einen Brief im Briefkasten, der mich über die Umstellung informierte, als seien meine beiden Widerrufe nie angekommen. Also schickte ich am 19. Dezember 2013 meinen Widerruf noch einmal traditionell per Post an die in der Widerrufsbelehrung genannte Adresse und hängte das Fax und einen Ausdruck des Online-Formulars mit an und bat um eine Bestätigung des Widerrufs.

Dann kamen die Weihnachtstage, die ich im inneren Frieden beging, dass nun der Widerruf angekommen sein muss.

Doch am 3. Januar 2014 hatte ich plötzlich schnelleres DSL, und laut dem Online-Kundencenter habe ich mittlerweile auch die Tarifoption Internet-TV aktiviert. Also wurde mein Widerruf offensichtlich wieder nicht bearbeitet.

Langsam kamen die Erinnerungen an die schlechten Erfahrungen der Vergangenheit wieder hoch, und ich beginne mir auszumahlen, wie es weitergehen wird. Und wieder kommt das Gefühl, dass ich auch dieses Mal wieder der Depp sein werde. Mit einem Unterschied, dieses Mal werde ich - sollte es nötig sein - durch alle Instanzen kämpfen. Und da ich in weiser Voraussicht (aus Schaden wird man klug) alles archiviert und dokumentiert habe, werde ich auch etwas in der Hand haben - sollte es nötig sein.

Da sowohl Online-Formular, Fax als auch Brief kein Gehör zu finden scheinen, schrieb ich am 6. Januar 2014 abends auf der Facebook-Seite von Vodafone Deutschland über mein Problem. Am 7. Januar 2013 bekam ich auch gleich morgens schon eine Rückmeldung vom Vodafone Facebook-Team. Man entschuldigte sich, gab mir den Link zu einem speziellen Online-Formular, in das ich mein Anliegen noch einmal schreiben solle, und dann würde man sich gleich darum kümmern. Ich füllte das Formular gleich aus und wartete den ganzen Tag auf eine Antwort.

Tagsüber kam dann der Paketbote und wollte mir den Festplattenfernsehrekorder und ein neues DSL-Modem zustellen. Ich verweigerte die Annahme und lies den verdutzen Paketboten alles wieder mitnehmen.

Gestern Abend fragte ich dann auch auf der Facebook-Seite mal nach, wie es mit der versprochenen Antwort aussieht. Heute morgen erhielt ich nochmal die Bitte, dass ich alles über ein Formular nochmal schicken soll - offenbar ist das Formular von gestern nicht angekommen?! Es ist wirklich kafkaesk absurd: Wenn schon meine Anfrage, ob mein Widerruf angekommen ist, nicht ankommt, wie soll ich da weitermachen?

Und da die ganze Maschinerie auch nach fast 4 Wochen nach meinem ersten Widerruf unvermindert weiterläuft, bin ich langsam echt am verzweifeln. Und ich kann mir schon genau vorstellen, wie es weiterläuft.

Was mache ich nur falsch? Wieso ignoriert/verliert Vodafone offenbar sämtliche Schreiben von mir?! Ich meine, ich bin nicht dumm, ich habe ein abgeschlossenes Unistudium mit guter Note, bin als Diplom-Informatiker eigentlich ganz gut in der Lage, mit Webformularen umzugehen, ich kann in meinem Beruf sämtliche Kommunikation bewältigen. Und auch mit allen anderen Firmen kann ich problemlos kommunizieren. Nur mit Vodafone nicht. Wieso???

Mögen die Götter mir gnädig sein und Vodafone bald zu einem Einlenken bewegen - andernfalls müssen es die Gerichte tun. Ein drittes Mal werde ich dies nicht einfach hinnehmen.

1 nach http://de.wikipedia.org/wiki/Kafka und http://de.wikipedia.org/wiki/Kafkaesk


Nachtrag vom 8. Januar 10.01 Uhr: Mittlerweile habe ich das Formular mit der Frage, ob mein Widerruf ankam, noch einmal abgeschickt, und sogar die Bestätigung erhalten, dass zumindest diese Anfrage ankam, und man sich innerhalb von 48 Stunden melden würde.
Solange dieser ganze Prozess sich nicht so lange hinzieht, bis die Frist verstrichen ist, um mir dann mitzuteilen, dass kein Widerruf ankam, und ich nun also diese Änderung zwei Jahre bezahlen muss, kann ich für die nächsten 48 Stunden erst einmal damit leben.


Nachtrag vom 8. Januar 11.42 Uhr: Das Internet-TV wurde mittlerweile storniert, die Verlängerung der Mindestvertragslaufzeit zurückgenommen, und mir als Entschädigung für den Ärger einen Monat Internet und Telefon gratis verrechnet.
So wie es aussieht wurde die DSL-Geschwindigkeit nicht wieder auf den alten Wert gedrosselt, was ich in meinem Widerruf eigentlich auch gefordert hatte. Mal Abwarten, ob das noch kommt. Wobei schnelles Internet vielleicht gar nicht so schlimm wäre.


Nachtrag vom 7. Februar 17.30 Uhr: Etwas überrascht bekam ich heute eine Rechnung die 50% höher ausfiel als bisher. Ich rief bei der Kundenbetreuung an. Offenbar wurde mein Widerruf doch nicht vollständig durchgeführt. Wir konnten uns aber einigen, dass ich die ca. 20 Euro, die zu viel berechnet wurden, wieder gutgeschrieben bekomme. Und das schnellere DSL kostet auch 3 Euro im Monat, obwohl ich das explizit ja auch widerrufen hatte. Ich habe mich aber entschieden, die schnellere Variante zu behalten. Die 3 Euro sind gut angelegt... Jetzt hoffe ich, dass mit der Gutschrift alles dann wieder passt und die nächste Rechnung nicht die nächste Überraschung bereit hält.

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